Zoés Geschichte

Bamako/Mali. Wir sitzen im Gästehaus zusammen mit Tanja und Matthias am großen Esstisch und tauschen Missionarserlebnisse aus. Da kommt Zoé herein. Zögernd, mit einem leichten Lächeln, grüßt sie in einer uns unbekannten Sprache. Die zierliche Frau mit dem schwarzen Kopftuch kommt aus dem Norden Malis, aus Gao, Heimat der Songhai. Matthias und Tanja beschreiben sie als ein Fischervolk, abhängig vom Ertrag des Nigerflusses und tief im Islam verwurzelt. Vor vielen Jahren haben sich die beiden von Gott rufen lassen, um diesem Volk die Bibel zu bringen.

Weil sie fließend die Sprache der Songhai sprechen, haben sie auch Zoé getroffen – in einem Kleinbus, dem typischen öffentlichen Verkehrsmittel in Mali. Die Muttersprache zu hören, wenn man fern der Heimat ist, bedeutet Balsam für die Seele. Für Zoé bedeutete es den Beginn einer großen Veränderung.

Von ihrem Mann verstoßen, musste sie 2011 ihr Haus und ihre vier Kinder in Gao verlassen. Sie floh in die Hauptstadt Bamako zu ihrem Onkel. Weil sie eine gute Muslimin sein wollte, besuchte sie dort regelmäßig die Koranschule. Doch eines Nachts hatte sie einen Traum: Sie stand vor vielen Menschen und rief: „Ich bin Christin, ich bin nicht mehr Muslimin“. Danach sah sie die Herrlichkeit Gottes als ein übernatürlich helles Licht über sich. Als sie erwachte, wunderte sie sich über ihre eigene Aussage im Traum. Sie war doch gar keine Christin! Aber sie begann, sich zu fragen, was es mit den Christen auf sich habe. Und dann, kurz darauf, die Begegnung im Bus! Liebrechts luden Zoé zu sich nach Hause ein, erklärten ihr das Evangelium. Mit Hilfe von engagierten Christen aus der Gemeinde übergab sie schließlich, im November 2015, ihr Leben Jesus. Als sie dies ihrem Onkel bekannte, schlug er sie krankenhausreif. Nur langsam heilen ihre äußeren und inneren Wunden, aber in der Gemeinde hat sie mittlerweile ein geistliches Zuhause gefunden. Oft besucht sie Tanja und Matthias zuhause, weil sie sagt: „Ihr versteht mich!“ Ihr größter Herzenswunsch ist, eines Tages ihre vier Kinder in Gao wiedersehen zu dürfen. Dafür beten sie gemeinsam.

Damit Zoé im Glauben wachsen kann, braucht sie die Bibel in ihrer Muttersprache, denn sie kann kein Französisch. Genau dafür investieren Liebrechts ihre Zeit und Kraft, ja: ihr Leben – für Menschen wie Zoé. Für sie hat sich die Arbeit schon gelohnt.

Ruth Halstenberg
www.velberter-mission.de

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