Rückblick Bundeskonferenz 2015 - „9 Fragen an Michael Winkler"

Leiter der „Werkstatt für Gemeindeaufbau“ in Ditzingen

1 Michael, was hat dich als Jugendlicher aus der Drogenszene herausgeholt?

Eigentlich habe ich gar nicht nach Gott gesucht und wollte auch nichts von ihm wissen. Aber ein CVJM-Jugendmitarbeiter hörte vom Heiligen Geist, dass er mich besuchen und mir sagen sollte, wie schlecht es mir gehe. Er war ein richtiger „Wadenbeißer“ und blieb trotz meiner Ablehnung dran. Während dem Gespräch mit ihm kam die Liebe Gottes in mein Zimmer, und Tränen liefen über mein Gesicht. Noch nie hatte ich solch eine Liebe verspürt. Ich beichtete über eine Stunde meine Sünden und legte mein Leben in Jesu Hand. Vier Dämonen fuhren von mir aus, und ich war von vier Süchten augenblicklich befreit!

2 Deine Leiter-Qualitäten wurden wohl schon recht früh deutlich, als du dich dann als Christ engagiert hast?

Ja, nach der Erfüllung mit dem Heiligen Geist hörte ich Jesus zu mir reden: Michael, missioniere die Schule! Nach einigem hin und her begann ich mit einer Schülerandacht in der großen Pause. Nach einigen Monaten kamen deutlich über 120 Schüler zur Andacht. Viele bekehrten sich und erlebten Wunder Gottes. Hier erlebte ich zum ersten Mal einen Hauch von Erweckung. In der Zeit wurde mir klar: Das möchte ich mein Leben lang machen: Menschen von Jesus erzählen!

3 Wie hat sich deine handwerkliche Berufsausbildung im späteren Leben auf deine Kompetenz und Glaubwürdigkeit ausgewirkt?

In der Zeit als Stahlbauschlosser lernte ich vor allem Disziplin. Auch haben vor allem die Schwaben immer geschätzt, dass der Pastor auch mal was Richtiges „gschafft“ hat.

4 Frisch vom Theologischen College in England zurückgekehrt, bautest du zusammen mit einem Team die freikirchliche charismatische Gemeinde „Treffpunkt Leben“ in Ditzingen auf. Was ist dir im Rückblick auf diese Zeit besonders wichtig als Erfahrungsschatz für andere Gemeindegründer?

Die Gewissheit, dass Gott mich hier her berufen hat! Es gab extrem schwierige und umkämpfte Zeiten, da war mir die Gewissheit der Berufung und auch des „Gerufenseins“ (von Menschen vor Ort) sehr tröstlich.

5 Den neutestamentlichen Begriff der „exousía“– gemeinhin mit „Vollmacht“ übersetzt und meist rein geistlich verstanden – transportierst du in einen gesellschaftlichen Kontext, um das „Reich Gottes“ für die Gesellschaft relevant zu machen. Was sind dabei deine Leitgedanken?

Es ist für mich eine Schlüsselerkenntnis, dass wir nur aus der „Bevollmächtigung durch Gottes Geist“ sein Reich auf dieser Erde kommen sehen! Ich sehe meine Aufgabe darin, die „Heiligen zum Werk des Dienstes zuzurüsten“, und irgendwann habe ich verstanden, dass dieser Dienst nicht nur den Dienst in der Gemeinde betrifft, sondern jeglichen Dienst, ob in Familie, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik oder Gemeinde! Es ist grandios, sehen zu dürfen, wie immer mehr Menschen ihre von Gott gegebene Vollmacht ergreifen, ihren Stand in der Gesellschaft einnehmen und das Reich Gottes in Kraft und Qualität voranbringen!

6 Auf der Bundeskonferenz des BFP hast du in deinem Vortrag dazu aufgefordert, beim Gemeindebau den gesellschaftlichen Wandel zu beachten: unsere Gemeindestrukturen, die aus der Industrialisierung herrührten, seien heute nicht mehr durchzuhalten. Könntest du uns dies bitte nochmal erläutern?

Die Freikirchen sind im Wesentlichen während des Industriezeitalters entstanden und haben sich dahingehend auch in ihren Strukturen und in ihrer Sozialgestalt entwickelt, haben viel von dieser „Lebensart“ inhaliert oder auch darauf reagiert. Arbeitsteilung, lineare Prozesse, auf lange Zeit angelegte Verbindlichkeiten, „Facharbeitermentalität“, Kleinfamilienstruktur und vieles mehr, was in der freikirchlichen Gemeinde immer noch hochgehalten wird, trifft nun auf eine Gesellschaft, die sich eher der Lebensart des Internets angepasst hat und deshalb multifunktional, vernetzt lebend und denkend, zu 50% als Single lebend und eher kurzfristig handelnd ist. Da passt ganz viel aus der Gemeindewelt nicht mehr mit der Arbeits-und Lebenswirklichkeit der Menschen in unseren Gemeinden zusammen.

7 „Meine Leidenschaft ist es, Menschen in Führungsverantwortung zu bringen, diesen Raum des Einflusses positiv zu gestalten und dabei selbst gesund und integer zu bleiben.“ Worauf ist hierbei am meisten zu achten?

Sich selbst nicht für zu wichtig nehmen! Das Genießen nicht zu verlernen, und nicht nur über seine, Siege sondern auch über seine Kämpfe und Niederlagen aufrichtig sprechen.

8 Wie tankst du geistlich auf?

In Anbetungszeiten, beim Spazierengehen, im Bewusstmachen der Gegenwart Gottes beim Autofahren!

9 Was schätzt du besonders an deiner Frau?

Ihre Fähigkeit, mir Heimat zu schenken! Ihre Freundschaft. Mit ihr kann ich stundenlang über alles reden.

Das Interview führte Bettina von Bracken

 

Michael Winkler, 55, verheiratet mit Christine, vier Kinder, vier Enkelkinder, ist unterwegs, um Gemeinden zu gründen, Leiterinnen und Leiter auszubilden, Gemeinden zu stärken, Unternehmer zu beraten und apostolische Dienste zu tun.

www.forum-leben.org: Gemeinde- und Dienstnetzwerk, www.exousia.de: Führungskräfte in Wirtschaft und Gesellschaft ausbilden und coachen, www.leiterschaft.de, www.treffpunkt-leben.org: Gemeinde in Ditzingen

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